Törnbericht Mallorca 1 -

Eine Woche vor Mallorca

Ein persönlicher Törnbericht von unserem Charterkunden Udo Schmidt aus 2013

Einleitung

Der Törn 2012 ab Rostock nach Dänemark hatte alle so begeistert, dass ein Törn 2013 überhaupt nicht erst zur Diskussion stand, er war beschlossene Sache.

Udo machte den Vorschlag, es einmal mit Mallorca zu probieren, eine Insel, die weder Reinhard noch Eduard persönlich kannten. Beide hatten nur eine gewisse Abneigung, weil sie nur Fotos mit riesigen Bettenburgen an verbauten Stränden vor sich sahen, auch das Image durch Ballermann war nicht gerade das Beste. Lothar war schon mehrmals auf Mallorca und fand das Ziel positiv.

Mallorca
Karte von Mallorca

Ende Mai hatte Udo seine Planungen abgeschlossen. Es sollte im Uhrzeigersinn einmal rund um Mallorca gehen mit einem Abstecher zur Insel Cabrera. Auch die dafür notwendige Erlaubnis war durch K.P.Winter bereits bestellt. Gehen wir es an!

Samstag, 06.07.2013

Heute ging's los!. Morgens um 02.30 Uhr trafen sich alle bei Udo, mit Edi's Wagen ging es zum Flughafen Köln.

Im Parkhaus P3 hatte Reinhard einen Platz reservieren lassen und schon bezahlt. Auf dem 2. Stock fanden wir eine freie Box. Der kurze Fußmarsch mit unserem Seesack in frischer Luft tat uns gut. Lediglich Reinhard's Tasche hatte nur Henkel, keine Rollen. Nachdem seine Arme immer länger wurden, nahm er das Angebot, zu zweit die Tasche zu tragen, dankend an. Wir anderen hatten alle Rollen am Seesack und zogen unser Gepäck einfach hinter uns her.

Der Check-in war schnell erledigt, auch die Durchleuchtung wurde reibungslos absolviert. Eine halbe Stunde später, die wir mit einem Kaffee mit Flughafen-Preisen überbrückten, konnte es an Bord gehen. Unsere Plätze waren reserviert, Gedränge war nicht notwendig. Pünktlich um 05.00 Uhr setzte sich der Flieger, ein Airbus A330, in Bewegung, um sich kurze Zeit später in die Luft zu erheben. Es war ein ruhiger Flug in der recht neuen Maschine mit 4 Sitzen in der Mitte und je 2 weiteren Sitzen an Steuer- und Backbord.

Gegen 07.00 Uhr überflogen wir die Nordspitze von Mallorca mit dem Cap Formentor, um eine viertel Stunde später auf dem Flughafen von Palma zu landen. Mit einem langen Fußmarsch durch das mit feinem Marmor verkleidete Flughafengebäude ging es zum Gepäckband. Nicht lange, und wir hatten unser Gepäck in Händen.

Draußen empfing uns wohlige Wärme. Ein Taxi zum nur 10 Minuten entfernten Yachthafen war schnell gefunden.

Angekommen am Hafen, mussten wir die Nord-mole entlang ca 300 m bis zur Basis laufen. Wir waren zu früh. Auf unserem Schiff turnte noch die letzte Crew herum, das Büro war noch nicht besetzt. Aber um 8.00 Uhr kam Frau Winter, die uns um Ver-ständnis bat, dass sie noch bis ca 11.00 Uhr brauchten, um uns das Schiff in einem sauberen Zustand übergeben zu können, auch wenn direkt nach der Abreise der Öster-reicher mit der Reinigung begonnen würde. Zudem stand noch ein Ölwechsel an, der erledigt werden musste.

Check-in
Ihr Check-in
Crew
Unsere Crew
Crew
Unsere Crew

Mit der Crew kamen wir dann ins Gespräch, zwei junge österreichische Paare. Sie hatten nur wenig gesegelt und wohl mehr einen Badeurlaub eingelegt. Gleichwohl zählten sie uns auf, dass der Zip des Reissverschlusses von der Segelpersenning gebrochen und das Luk der Steuerbord-Koje gerissen sei. Wir nutzten die Zeit, suchten im Ort eine Cafeteria auf, die uns Fr. Winter empfohlen hatte.

So wurde es 10.00 Uhr und wir begaben uns zur Basis, nachdem wir auf dem Wege dorthin im Supermarkt noch einige Kleinig-keiten eingekauft hatten. Unser Proviant wurde angeliefert, um 11.00 Uhr konnten wir auf das Schiff.

Wie schon im letzten Jahr, bezogen Reinhard das Vorschiff, Lothar die Steuerbord- und Edi die Backbord-Kabine. Udo's Nachtlager war wieder der Salon.
Die Liste für die Übernahme hatten Reinhard und Udo schnell abgearbeitet. Es war zwar nicht alles am vorgesehenen Platz, aber es fehlte lediglich der Schwengel für die Hand-Lenzpumpe. Mit einem Ersatz war das Inventar komplett und die Übergabe konnte abgeschlossen werden.

Der Proviant wurde mit unserer Bestellung verglichen, dabei kamen einige Unstimmigkeiten zu tage. Von einigem hatten wir mehr, anderes fehlte. Aber mit Hilfe der „Tauschbörse“ beim Vercharterer wurde das Problem fast vollkommen gelöst. Lothar waltete seines Amtes und rechnete mit dem Büro ab, was noch zu zahlen war. (Aussenborder, bestellter Proviant, Cabrera-Erlaubnis, Endreinigung)

Offensichtlich hatte sich in Lothar's Segeltasche eine Biene verflogen und die ganze Reise nach Mallorca mitgemacht. Auf jedem Fall summte es mächtig, sie wollte bestimmt das Klima auf Mallorca geniessen. Vorsichtig öffnete er seine Tasche, das Gesummse blieb. Bis dass er seine Zahnbürste auspackte und feststellte, dass diese elektrisch und die ganze Zeit über gelaufen war. . Dass die Batterie nicht leer war, war schon erstaunlich.

Um 13.00 Uhr war alles fertig und wir hatten es eilig, auf's Wasser zu kommen. Also Motor an und Leinen los!
Erst einmal unter Motor. Dabei stießen wir mit Prosecco auf Edi's Geburtstag an, der heute 68 Jahre alt wurde. Herzlichen Glückwunsch und Gesundheit für die nächsten Jahrzehnte. Die Ärzte hast Du in den letzten Jahren oft genug beschäftigt!

 

Der Wind blies mit 2-3 Bf aus SO, das hieß Aufkreuzen bis zum Capo Figuera. Also, hoch mit den Segeln! Erfreulich, dass eine Elektro-Winsch zur Verfügung stand und uns die Arbeit erleichterte. Aber trotzdem gab es ein Problem. Durch den defekten Reissverschluß an der Segelpersenning hatte die Vorcrew achtern das Segel gefesselt statt es lose einzubinden. Der vermaledeite Knoten ließ sich nicht öffnen, zudem war die Nock des Großbaumes kaum zu erreichen. Udo blieb nichts anderes übrig, als den Bendsel durchzuschneiden. Danach klappte alles wie am Schnürchen.

Seuermann
Unser Steuermann

Nachdem auch die Fock ausgerollt war, kam richtiges Urlaubsflair auf, das Schiff lies sich gut an der Windkante halten. Beim Wenden fehlte noch etwas die Eingespieltheit, es ging manchmal etwas holprig. Aber auch das war nur von kurzer Dauer.

So segelten wir abwechselnd bis 18.25 Uhr, genossen die Sonne, das strahlend blaue Wasser, das Panorama der großen Bucht mit ihren vielen Bausünden, die Groß-stadt Palma mit ihrer Kathedrale, beobachteten das Auslaufen eines Kreuzfahrtschiffes, alles aus immer größer werdenden Entfernung, bis wir das Cap gerundet hatten.

Andraitx lag noch ein gutes Stück voraus und wir beschlossen, den Rest der Strecke zu motoren, auch wenn das angepeilte Ziel fallen gelassen wurde und die Bucht zuvor, die Ensenada de Santa Ponsa, uns für die Nacht aufnehmen sollte. Dort wollten wir ankern.

Die Bucht war gut belegt, aber kein Problem, einen freien Ankerplatz mit genügend Raum zum Schwoien zu finden. Um 20.18 Uhr lagen wir fest am Anker. Einzig störend in der schönen Bucht die an der Südseite hochgezogenen Ferien-Silos, die Nordseite war wesentlich angenehmer.

Nach unserem ersten Anlegerschluck widmeten sich Reinhard und Edi sofort dem Abendessen. Reinhards Küchenplan sah Spaghetti mit Sauce Bolognese vor.

Lothar und Udo testeten erst einmal das Wasser, angenehm warm und ruhig. Einfach herrlich! Danach machte Udo sich an seine Hausaufgaben, während Lothar den Abendtisch in der Plicht vorbereitete.

Es war ein gelungener Einstand des Smut, es schmeckte hervorragend und alle langten kräftig zu.

Klar, dass auch Reinhard und Edi sich nach dem Wasser sehnten und es nach dem Essen kein Halten mehr gab.

Nachdem der Spülkram erledigt war, wobei Lothar das als eine seiner Aufgaben ansah, ohne dass er dazu gezwungen werden musste, machten wir es uns in der Plicht gemütlich. Dazu gehörte natürlich auch die eine oder andere Flasche mallorcinischer Wein. Wir genossen die laue Abendluft und einen Sternenhimmel, wie er bei uns kaum zu sehen ist.

In einem der Feriensilos spielte ein Band, die aber Gott sei Dank bereits gegen 23.00 Uhr Feierabend machte. Danach störte nichts mehr die Stille und Größe der Nacht.

Santa Ponsa
Santa Ponsa Ankerbucht

Irgendwann war es Zeit, die Kojen aufzusuchen. Es war für uns alle ein langer Tag gewesen. Kein Wunder, dass es nicht lange dauerte, bis alle eingeschlafen waren.

Etmal: Segel Motor Gesamt

24,6 sm 9,1 sm 33,7 sm

Sonntag, 07.07.2013

Nichts hatte unseren Schaf gestört. Nach einer ruhigen durchschlafenen Nacht lockte uns die Sonne aus den Kojen. Es war Sommer, Sonne, Wärme und warmes Wasser und: 07.20 Uhr. Bei einem leichten Ostwind.

Reinhard machte sich direkt ans Frühstück. Dazu gehörte nach seiner Meinung auch eine Schüssel Obstsalat. Die anderen sprangen erst einmal ins Wasser, auf der Badeplattform wurde dann geduscht und die Zähne geputzt. Es gab sogar heißes Wasser!

Danach Frühstück im Cockpit mit allem, was die Küche hergab. Konnte ein Sonntag besser beginnen? -Sicherlich nicht-

Frühstück
Unser Frühstück
Skipper
Skipper
Obstsalat
Reinhard's Obstsalat

Um 09.50 Uhr lichteten wir dann den Anker und motorten aus der Bucht, wo wir bei leichtem Westwind mit 3 Bf die Segel setzten und mit ein paar Kreuzschlägen an Andraitx vorbei uns der Insel Dragonera näherten, die wir an backbord lassen wollten und daher durch die Enge, dem 780 m breiten Canal des Freu, zwischen den Inseln Dragonera und Mallorca kreuzten.

Dragonera ist ein reines Naturschutzgebiet, dass nur am Fähranlieger betreten werden darf.

Dragonera
Insel Dragonera

Beführte Wanderungen sind möglich. Mit 353 m ist die Na Popla die höchste Erhebung der Insel.

In der Enge hieß es aufzupassen. Eine kleine Insel und ein paar gerade über das Wasser ragende Hindernisse, nur zum Teil mit Untiefentonnen ver-sehen, können schnell den Seglern gefährlich werden. Aber wir hatten keine Pro-bleme, die Gefahren zu um-schiffen. Mit 5 Kreuzschlägen waren wir durch.

Leider hatte sich danach der Wind verausgabt und legte sich schlafen. Bei 0-1 Bf war das zu wenig, um unser Tages-ziel oder die Alternative zu erreichen. Dabei hatte sich Udo mit der Cala Sa Calobra das wohl spektakulärste Tagesziel erkoren.

Also musste unser Jockel wieder herhalten und mit weniger als 2000 Touren und 6 km Fahrt ging es an der schönsten Küstenseite Mallorcas entlang. Die Westküste ist bestimmt vom Tramontara-Gebirge, reicht von Andraitx bis zum Cap Formentor. Vom Wasser aus geht es größtenteils senkrecht mehrere hundert Meter hoch und wird auf halber Strecke gekrönt vom Puig Major, mit 1448 m der höchste Gipfel Mallorcas.

Auf diesem Küstenabschnitt gibt es nur ver-einzelt Möglichkeiten zum Ankern für einen Badestop. Zum Nächtigen war keine dieser Buchten geeignet. Wir suchten erst garnicht und tuckerten die Küste entlang.

Für den kleinen Hunger zwischendurch machte sich Reinhard in der Kombüse zu schaffen und reichte jedem Baguett-Brötchen, gut belegt und sättigend.

Dazu das erste Bier, uns ging's wieder prächtig.

Die enge Hafeneinfahrt nach Porto Solier lag kurz vor uns, aber keiner verspürte den Drang, eine Besichtigungsrunde in der kreisförmigen Bucht zu drehen. Das neue, angebliche 7-Sterne Hotel, direkt an der Einfahrt in mehreren Stufen auf den Felsen gebaut, wirkte eher wie ein Fremdkörper mit seinen rechteckigen Formen und knallig weißem Anstrich und fehlendem Baumbestand in der Landschaft. -Nicht sehr anziehend-

Calla Sa Colabra
Calla Sa Colabra

Wir hatten noch 8 sm vor uns. Die Küste beeindruckte immer wieder. Ein sehr vielfältiges Gestein in immer anderen Farben, teilweise großen Höhlen, die bestimmt vom Meer aus mit Schlauchbooten zu befahren waren.

Gegen 17.45 Uhr hatten wir die Einfahrt zur Cala Sa Calobra querab. Viele ankernde Boote ließen uns nichts Gutes erahnen. Auch der schmale Kiesstrand war gut bevölkert.


Trotzdem fuhren wir hinein (es gab auch keine andere Möglichkeit) und tatsächlich war noch reichlich Platz zum Ankern. Wir lagen auf 8 m Wassertiefe und hatten ca 40 m Kette gelegt. Um 18.10 Uhr konnten wir den Motor abstellen.

Calla Sa Colobra
Calla Sa Colobra

Der Grund für die große Anzahl von kleinen und größeren Booten war, dass in der Schlucht eine Band das Publikum unterhielt. Wir waren uns daher sicher,

dass noch einige der Schiffe die Bucht wieder verlassen würden. So war es auch und, nachdem die Band aufgehört hatte, leerten sich schnell Bucht und Strand. Mit 8 Schiffen lagen wir alleine in der Bucht.

Die Cala Sa Calobra ist eine einzige Fels-schlucht mit teils senkrechten Wänden. Auf der Südseite ein kleiner Einschnitt mit dem Dorf Sa Calobra. 32 Menschen lebten dort bis 1932, zwischenzeitlich vermutlich nicht viel mehr. Das Dorf war damals nur über den Seeweg zu erreichen oder über einen gefähr-lichen und beschwerlichen Weg über Stock und Stein durch den Torrent de Pareis über die höchsten Berge von Mallorca.

Cala Sa Colobra
Cala Sa Colobra

Die 14 km lange Serpentinenstrecke mit 12 Haarnadelkurven wurde von dem ital. Ingenieur Antonio Pretti geplant und 1932 ausgeführt. Die Serpentinenstrecke bietet ein sanftes Gefälle bis zur auffälligsten Stelle, dem „Krawattenknoten“. Auf Höhe von Sa Moleta sah Paretti nur die Möglichkeit, die Straße mit einer 270°-Kurve um sich selbst kreisen zu lassen. Bekannt geworden ist diese Stelle durch die Profi-Radrennfahrer, die dort jedes Jahr im Frühjahr vor Saisonbeginn trainieren.Tags über sind Bucht und Dorf von Touristen übervölkert und tummeln sich im Dorf, an dem kleinen nur 50 m langen Strand oder in der Schlucht, übrigens ein hoch-alpiner Wanderweg entlang des meist ausgetrockneten Bachbettes, vorbei an einem Stausee bis man oben an der Straße, die von Formen-tor bis Andraitx führt, angekommen ist. Rund 34.000 Besucher, die meisten mit Bussen herangekarrt, sorgen für volle Lokale, vollen Strand und volle Schlucht, zumindest tags. Abends ist alles ausgestorben. .

Nach dem mittlerweile üblichen Schwimmen galt es, die Hausaufgaben zu erledigen, während Reinhard mit Hilfe der übrigen Crew für das Abendessen sorgte: Bratkartoffeln mit Schnitzel und Erbsen und Möhren.

Danach wurde die Schlucht erkundet, be-vor es in der Plicht mit dem gebunkerten Weißwein gemütlich wurde. Da keine Lichtquelle die Dunkelheit störte, auch hier wieder ein überwältigender Sternen-himmel und Sicht auf das weite Meer im Taleinschnitt.

So ging gemütlich ein sehr schöner Tag zu Ende, auch wenn das Segeln zu kurz kam und der Motor uns 32,4 sm vorwärts bringen musste.

Etmal: Segel Motor Gesamt, 19,8 sm 32,4 sm 52,2 sm

Montag, 08.07.2013

Nach einer ruhigen Nacht weckte uns um 7.00 Uhr des Skippers „Reise, Reise“, der alle umgehend Folge leisteten. 8 Schiffe lagen außer uns noch in der Bucht. Auf den meisten rührte sich kein Leben, die waren noch in tiefem Schlaf. Nur auf 1-2 Schiffen zeigten sich Segler, die bald auslaufen wollten. Wir genossen erst wieder das Schwimmen in dem glasklaren und ruhigen Wasser. Auch wenn die Bucht durch die hohen Berge noch im Schatten lag, war es angenehm warm. Zudem würde die Sonne nicht lange auf sich warten lassen. Zwar kam der Hauch Wind mit 2-3 Bf aus NO über die Berge, doch das bedeutete noch nichts für unseren Segelkurs.

Erst einmal war Frühstück angesagt, wie üblich draußen in der Plicht. Der Cockpit-Tisch war beidseitig aufzuklappen und damit groß genug, ihn mit Tassen, Teller, Brot, Butter, Wurst und Schinken, Käse und Marmelade einzudecken, ohne dass es Platzprobleme für uns 4 Kerle gab. Auch der obligatorische Obstsalat fand noch genügend Platz auf dem Tisch. Gut war, dass wir alle Kaffee-Trinker waren und nicht noch extra Tee gekocht werden musste. Lothar war der starke Mann am Kaffeefilter.

In der Zeit des Abwasches setzte Udo den Kurs ab Richtung Cap Formentor, danach sollte es Richtung Pollenca oder Alcudia gehen, je nach Windlage. Die notwendigen Wegepunkte hatte Udo bereits zu Hause ermittelt und in seinem Hand-GPS gespeichert. Daher waren diese nur in eine Route umzuwandeln. Um 09.30 holte Reinhard den Anker auf. Udo steuerte an den noch ankernden Schiffen vorbei Richtung Buchtausgang, um dann nach Nord abzubiegen. Leider war der Wind ein Langschläfer und wir mussten erst einmal motoren. Aber kurz danach hatte der Wind ein Einsehen und blies mit 2-3 Bf aus NW-N, so dass wir mit mehreren Kreuzschlägen unserem ersten Wegepunkt Cap Formentor näher kamen.

Dabei hatten wir noch ein besonderes Erlebnis. Vor der großen Bucht zwischen Pta Beca und Pta de la Galera zogen Delphine ihre Bahn. Ca 10 Tiere schwammen eine gute halbe Stunde direkt neben uns oder etwas weiter weg. Offenslichtlich waren sie auf Beutezug und wir bemerkten, dass sie wohl Fische in Richtung der dicht unter Land schwimmenden Stellnetze trieben, um sie dort fangen zu können. Faszinierend die Eleganz, mit der sie aus dem Wasser zurück in die Fluten tauchten, geräuschvoll Luft ausbliesen und abtauchten, um kurz darauf an anderer Stelle wieder aufzutauchen.

Delphine
Dephine vor der Bucht zwischen Pta Beta und Pta de la Galera

Nachdem die Delphine uns wieder verlassen hatten, beschlossen wir, die Segel einzuholen und bis zum Cap zu motoren, um Zeit zu sparen. Mindestens 2 Kreuzschläge wären noch nötig gewesen. Bei dem geringen Wind hätten wir zu viel Zeit benötigt, um eines der angepeilten Ziele zu erreichen. Diese hatten wir sowieso schon geändert. Ca 5 sm nach Rundung des Caps gab es eine wunderschöne große Bucht mit vorgelagerter Insel, an der es ein bekannt gutes Hotel geben soll. Lothar war schon einmal dort gewesen. Das ersparte uns das Hinunterfahren bis ans Ende der großen Bucht von Pollenca mit einem Hafen, in dem wir eine hohe Liegeplatzgebühr los geworden wären.

Unser Ziel war also die Ile de Formentor, hinter der wir geschützt in der großen Bucht an einer Muring-Boje liegen konnten. Noch aber war es nicht so weit. Wir motorten dicht unter Land und genossen den spektakulären Anblick der karstigen Felsenküste und vielem Geröll, als wenn dieses dort abgekippt worden wäre, was aber nicht der Fall war. Schon tausende von Jahren lag dieses dort. Reinhard sorgte derweil für die kleine Zwischen- mahlzeit und tischte eine Salatschüssel auf.

Nach einer weiteren Stunde hatten wir das Cap erreicht, den nördlichsten Punkt der Insel Mallorca. Über 200 m über uns die Anlage des Leuchtturmes Cap Formentor, ein wichtiges Seezeichen für die Seeschifffahrt. Das Feuer, ein weißes Blitzfeuer in 4 Gruppen innerhalb von 20 Sekunden, sitzt auf 210 m über dem Meer und hat eine Tragweite von 21 sm. (Fl (4) W 20s 210 m 21M)

Für Landtouristen ist der Leuchtturm über die Straße von Pollenca zu erreichen. Sie windet sich mit vielen Höhenmetern durch die Felsen-landschaft. Nach rd. 18 km Fahrt auf der engen kurvigen Straße hat man das Ziel erreicht und einen unverbauten Blick über das weite Meer, Menorca und die Insel Mallorca. Die nächste Festland-Küste sind Spanien und Frankreich weit hinter dem Horizont. Natürlich gibt es auch ein Restaurant, das zum Verweilen einlädt.

Felsenlandschaft
Felsenlandschaft von Pollenca

Wir aber umrundeten das Cap in sicherer Ent-fernung des Felsen. Von hier aus war es nur noch 1 Stunde bis zur Ile de Formentor. Die See-karte zeigte nicht genau an, ob die vorgelagerte Insel an der schmalen nördlichen Öffnung durchfahren werden konnte oder ob die süd-liche breite Einfahrt nur zu nutzen war. Wir fuhren erst einmal in den nördlichen Kanal, aber sehr langsam und unter ständiger Be-obachtung der Tiefen-angaben. Als nur noch 4 m Wasser unter unserem Kiel waren, drehten wir um. Auch von Land wurden wir aufmerksam gemacht, dass die Insel zu umfahren war.

Aus der Bucht kam uns ein Feuerlösch-Flugzeug entgegen, das mehrmals die Bucht anflog, ohne zu landen. Sie übten wohl gerade, um für den Ernstfall gerüstet zu sein. (Der dann 2 Woschen später eintrat).

Wir motorten langsam in die Bucht hinein und fanden sehr schnell eine freie weiße Muring-Boje, an der wir festmachten. Die Uhr zeigte 17.30 Uhr. Dass die Boje nicht kostenfrei war, war uns klar. Sehr schnell schon kam von Land aus ein kleines Motorboot und kassierte € 29,--, nicht sehr viel, wenn man mit Polenca vergleicht. Dafür lagen wir in guter Entfernung vom Nachbarn und konnten unseren Müll an Land sachgerecht entsorgen. Dafür sorgten Lothar und Edi mit Dinghi.

Wir hatten wieder eine sehr schöne Bucht ausgewählt. Zwar gab es in der weitläufigen Bucht Hotels und Sand-strand, aber die Bebauung störte nicht Zudem waren alle Hügel und der Ufer-saum mit großem Baumbestand ver-sehen. Auch das Hotel Barcelò, ein weltbekanntes 5-Sterne Hotel, in dem zwahlreiche Größen aus Film, Wirt-schaft etc. abgestiegen sind, u.a. war das ein Lieblingshotel von einem ge-wissen Herrn Ustinov, versteckt sich mit seiner Anlage wohltuend hinter den Bäumen.

Klar, dass erst wieder Schwimmen angesagt war. Die Bucht war quallenfrei, wie wir feststellten. Also: Hinein ins kühle Nass!

Beim Duschen stellten wir fest, dass der 1. Tank leer war, wir hatten mit Wasser nicht gespart. Aber dafür gab es ja noch den zweiten Tank, den wir nur umstellen mussten.

Zwischenzeitlich bruzzelte Reinhard wieder in der Kombüse und servierte uns Steinpilz-Risotto an Paprikagemüse mit Tomaten/Paprikasauce und Hackfleisch-Bällchen. Dazu die übliche

Flasche Wein. Es war ein reinstes Schlemmer- fest! Ob wir wohl nach dem Törn Reinhard für unsere notwendige weitere Kleidung die Rechnung schicken können? Schließlich hatten wir nicht unterschrieben, dass das Essen auf eigene Gefahr ging.


Lange saßen wir noch in der Plicht, genossen die ruhige Umgebung in dunkler Nacht (Der Mond hatte Urlaub) und wiederum den Sternenhimmel, das alles bei einem guten mallorcinischen Land-wein. Auch nachdem Reinhard und Lothar bereits die Kojen aufgesucht hatten, genossen Edi und Udo noch längere Zeit das Ambiente, bis auch sie sich in ihre Kojen zurückzogen.

Etmal: Segel Motor Gesamt

22,3 sm 11,8 sm 34,1 sm

Heutiges Essen
Unser heutiges Essen
Segelsetzung
Die Segel sind gesetzt

Dienstag, 09.07.2013

Um 07.20 Uhr schälten sich alle aus ihren Kojen. Wie auch die letzten Tage heute wieder wenig Wind aus N-NO mit max. 2 Bf, dazu sonnig und warm.

Also erst einmal ausgiebig schwimmen und frühstücken. Um 09.30 Uhr waren alle morgendlichen Rituale abgearbeitet und wir konnten auslaufen. Direkt nachdem der Anker

gelichtet war, wurden die Segel gesetzt und Kurs genommen auf das Pta. Sabaté, die Felsen-Halb-insel zwischen den Buchten von Pollenca und Alcudia. Direkt runden konnten wir das Kap nicht, ein kleiner Kreuzschlag musste eingelegt werden.

Danach öffnete sich die weite Bucht von Alcudia mit einer Breite von ca 9,5 sm, die wir an steuer-bord lassen mussten. Das Capo Farrutx am öst-lichen Ausgang der Bucht konnten wir gerade anlegen, in gemütlicher Fahrt ging es langsam voran, bis Morro de Aubarea quer ab lag. Hier holten wir die Segel an und ließen den Motor die Arbeit machen.

Auch hatte sich leichter Hunger bemerkbar ge- macht, der aber von Reinhard direkt mit Toasts, belegt mit Schinken und Käse bekämpft wurde. Dazu schmeckte natürlich ein Bier bestens.

Wir wollten im Hafen von Radjada unseren leeren Wassertank auffüllen und noch einige Besorgungen im Ort machen. Da weitere Häfen nicht vorgesehen waren, musste vor allen Dingen unser Weinvorrat, der merklich geschrumpft war, ergänzt werden. Das konnten wir natürlich nicht hinnehmen und Wein stand ganz oben auf der Prioritätenliste.

Radjada
Radjada

Radjada erreichten wir um 15.30 Uhr. Während Reinhard und Udo sich um die Befüllung der beiden Wassertanks kümmerten, marschierten Edi und Lothar zum Supermarkt, ungefähr 10 Minuten zu Fuß vom Hafen entfernt.

Wir hatten ganz schön Wasser verbraucht. Auch der zweite Tank schluckte ziemlich viel Wasser. Über eine halbe Stunde lief das Wasser, bis beide Tanks gefüllt waren. Mit € 5,-- war das nicht zu teuer, der Liegeplatz war kostenfrei.

Unser Nachbarschiff, eine alte 49-er Bavaria, benötigte ebenfalls Wasser. Da die Zapfstelle direkt bei dem Schiff defekt waren, reichte ihr Schlauch nicht und sie füllten ihre Tanks mit unserem Schlauch, kein Problem.

Zu unserer Überraschung fuhren Edi und Lothar mitsamt dem Einkauf mit einem Lieferwagen bis kurzs vor's Schiff vor. Der Service des Marktes war überaus freundlich und erbot sich, die ein-gekauften Waren samt Crew zum Hafen zu bringen. Auch der Einwand, dass noch eine Metzgerei aufzusuchen war, zählte nicht. Der Händler machte den Umweg zum Metzger mit, denn diesen zu finden war für Fremde nicht einfach. Das war Service vom Feinsten! Um 16.30 Uhr lösten wir dann wieder unsere Leinen, um die restlichen 3,5 sm bis zur Cala de Canyamel unter Motor zurückzulegen.

In der weitläufigen Bucht ankerten wir auf halbem Wege am Nordrand des felsigen Ufers, direkt neben 2 Höhlen, in die man mit dem Dinghi einfahren konnte. Dort lagen wir die ganze Nacht über als einziges Schiff. Lediglich am Südufer ankerte noch ein anderer Segler.

Gegen 17.15 Uhr konnte somit das Abend-programm beginnen. Während Reinhard und Lothar sich um das Abendessen kümmerten, es sollte einen Tortellini-Auflauf mit Schinken und Käse geben, testeten Edi und Udo erst einmal das glasklare türkisfarben schimmernde Wasser mit einem Sandboden in 7 m Wassertiefe. Da kam doch glatt Karibik-Feeling auf!

Tortellini
Unser Essen

Nach dem schmackhaften Abendessen war dann Baden pur angesagt, bevor sich wieder um die Dezimierung des aufgestockten Weinvorrats gekümmert wurde.

Plattform
Baden pur

Auch wenn die Sonne nicht im Meer, sondern hinter den sanften Hügeln des Landes und der Hotels unterging, war es ein sehr schöner Abend mit einem weiten Blick auf das Wasser gen Osten. Hin und wieder zogen Schiffe in weiter Entfernung an uns vorbei, zu erkennen an der Lichterführung bzw. den beleuchteten Aufbauten.

Damit neigte sich ein schöner Tag seinem Ende entgegen. Zufrieden und satt begaben sich Lothar und Reinhard auf Tauchstation, während Edi und Udo noch sitzen blieben, bis die angebrochene Flasche geleert war.

Na, dann :“Prost und Gute Nacht!“

Etmal: Segel Motor Gesamt

14,6 sm 10,6 sm 25,2 sm

Tauchstation
Tauchstation

Mittwoch, 10.07.2013

Um 7.20 Uhr schien bei unserem Skipper immer ein innerer Wecker zu klingeln. Auch heute regte sich um diese Uhrzeit das erste Leben auf dem Schiff.

Allmorgendlich das gleiche Ritual. Erst schwimmen, dann duschen, Zähneputzen, rasieren und was sonst jeder noch auf seiner Agenda hatte.

 

Ankerhöhle
Ankerhöhle

Damit das reibungslos ins Frühstück überging, dafür sorgte Reinhard in Zusammenarbeit mit Lothar und Edi. Udo's Aufgabe lag um die Zeit meistens darin, sich um den Tagestörn zu kümmern.

Vor dem Segeln hatte Udo ein weiteres Highlight vorgesehen. Von unserem Ankerplatz aus war es nur ein Fußweg ca 10 Minuten zu der Tropf-steinhöhle von Arta, die ausgangs der Bucht auf halber Höhe des Felsens zu besichtigen war.

Um kurz nach 9.00 Uhr kletterten Lothar, Edi und Reinhard in das Dinghi und paddelten die paar Meter zum felsigen Ufer. Am Ende der Bucht konnten sie aussteigen und das Boot sichern. Udo, der bereits zweimal die Höhle besichtigt hatte, blieb alleine an Bord zurück.

Zu den Höhlen führt eine gut ausgebaute und ausge- schilderte asphaltierte Straße bis zum Parkplatz am Höhleneingang. Zum Eingang führt eine Treppe, die anlassälich des Besuchs der Königin Isabella II im Jahre 1860 gebaut wurde, heute jedoch nur noch als Ausgang dient. Von dort hat man einen hervorragenden Blick über die Bucht von Canyamel.

Die Coves d'Arta wurden bereits in früheren Zeiten bewohnt und von Piraten als Versteck genutzt. Die letzten maurischen Soldaten fanden hier im Jahre 1229 Zuflucht vor dem vorrückenden Heer unter Jaume I, König von Aragón.

Die Höhle ist nur im Rahmen einer Führung zu be- sichtigen. Der Eingangsbereich liegt unter einem etwa 100 m breiten Felsbogen, der sich 25 m hoch über den Vorplatz wölbt. Der Rundgang führt durch mehrere Hallen und Räume, die elektrisch beleuchtet sind.

Am Ende eines Stollens betritt mam zunächst das „Vestibül“. Der Raum ist 75 m lang, zwischen 20 und 40 m breit mit einer Höhe von 15 bis 25 m. Der auf- fälligste der unzähligen Tropfsteine wird „Virgen des Pilar“ (Pfeiler der Jungfrau) genannt. Dem Gang nach links folgend und einigen Stufen betritt man den „Saal der 1000 Säulen“. Viele der Stalagmiten und Stalakiten genannten Säulen reichen vom Boden bis zur Decke. Ihm folgt nach Durchschreiten eines hohen Portals mit Steinvorhängen der „Saal der Säulenkönigin“. Die namensgebende 22 m hohe Säule steht in der Mitte des Raumes und ist im Verhältnis zur Höhe besonders schlank. Der reich verzierte Stalagmit hat bis zur Decke noch etwas Freiraum.

Nach einer abwärts führenden Treppe und dem Weg durch den „Vorsaal der Hölle“ gelangt der Besucher in die „Hölle“. Die Tropfsteinsäulen sind hier dicker als in anderen Bereichen und reichen bis an die Decke. Einige spitze Ablagerungen werden „Höllenflament“ genannt. Im unteren Teil des Raumes steht am Fuße eines gelblichen Felsens eine dünne gewundene Säule, ein Bereich, der den Namen „Sarg von Napo- leon“ trägt. Alle Höhlen sind ihren Name entsprech- end in unterschiedlichem Licht ausgeleuchtet, in der „Hölle“ wird zudem eine Ton-Wechsellicht-Schau geboten.

Nach Passieren eines „Löwen“ und einer „Zypresse“ wird das „Paradies“ erreicht. Es ist mit 54 m Höhe die größte Höhle und gleicht dem Schiff eines Domes. Der Raum soll ein größeres Volumen umfassen als die Kathedrale von Palma. Der weitere Rundgang führt auf einen Balkon, von dem man in den „Salón de Columnas“ hinabsieht. Über den „Saal der Flaggen“ gelangt man in den oberen Teil des „Paradieses“. Von dort gelangt man an der „Säulenkönigin“ vorbei zum Ausgangsbereich.

"Paradies"
"Paradies"

Eine der hohen Stalagmiten soll von der Decke noch 1 cm entfernt sein. Für die Schließung der Lücke wird noch eine Zeitspanne von 1000 Jahren benötigt.

Gegen 11.30 Uhr trafen die Drei wieder am Dinghi ein und, nachdem das an Deck gehievt war, wurde umgehend der Anker aufgeholt und die Segel gesetzt. Wind 2-3 aus Ost bedeuteten gemütliches Segeln bis kurz vor Porto Colombo, wo wir einen Kreuzschlag einlegen mussten, was der Wind uns offensichtlich übel nahm und sich zum Schlaf hinlegte. Also wurden die rest-lichen knapp 5 Meilen wieder einmal gemotort.

Ziel war die Cala Mondrago, eine Bucht mit 3 kleinen Buchten, davon 2 mit Sandstrand. Sie gilt als eine der schönsten Buchten auf Mallorca. Die innere Bucht auf der Steuerbordseite war unser Ziel, war doch dort ein Strandrestaurant mit herrlichem Blick über die Bucht, die ankernden Schiffe und das Strandleben.

Die Bucht war noch gut besucht, etliche Tagesausflügler lagen dort noch vor Anker. Also erhöhte Wachsamkeit, dass wir nicht unseren Anker über das Ankergeschirr eines Nachbarn legten, als wir die ausgewählte Lücke zwischen 2 Schiffen ansteuerten. 4 m Wasser hatten wir unter unserem Kiel, kamen somit mit 20 m Kette aus. Um 17.30 Uhr konnten wir in aller Ruhe unseren Anleger genießen, bevor dann allgemeines Baden angesagt war. Lothar machte das Dinghi klar, um im Restaurant einen Tisch zu bestellen. Aber das sei nicht nötig, wurde ihm erklärt.

Leere Ankerbucht
Leere Ankerbucht

Die Bucht leerte sich gegen Abend merklich und wir hatten genügend Freiraum zum Schwoien, sollte Wind aufkommen und aus einer anderen Richtung wehen.

Alsdann motorte uns Lothar mit dem Dinghi zum Strand. Wir fanden noch einen freien Tisch auf der Terrasse, mit einem Wein vertrieben wir uns die Zeit bis zum Essen. Natürlich war Fisch angesagt. Das Essen war in Ordnung, auch wenn die Seezunge mitsamt Grätengerüst serviert wurde, was eigentlich ungewöhnlich ist.

Lothar skipperte uns anschließend wieder zurück an Bord. Wie gut, dass keine Wasserpolizei anwesend war. Auch wenn wir nicht viel getrunken hatten, war doch die Promille-Grenze wahrscheinlich überschritten.

An Bord machten wir es uns wieder bequem und sorgten mit einem guten Wein dafür, dass die Promille-Grenze nicht merklich absackte, bis dass der Schlaf uns übermannte.

Etmal Segel Motor Gesamt

19,7 sm 4,7 sm 24,4 sm

Donnerstag, 11.07.2013

In der Nacht hatte sich der Himmel bewölkt. Als wir den Kopf aus dem Salon steckten, war es leicht am Nieseln, wie es von Lothar bereits für den gesamten Törn vorhergesagt worden war. Aber nur kurz, dann war es wieder trocken.

Wie üblich war es 07.20 Uhr. Leichter Schwell stand in der Bucht, aber nicht so, dass es als unangenehm empfunden wurde. Frühstücken und schwimmen gehen waren eine Selbst-verständlichkeit, die nicht erst erörtert werden musste. Lothar und Reinhard betätigten sich zudem als Müllmänner und entsorgten den sich angesammelten Unrat fachgerecht an Land.

Nachdem das Schiff aufgeklart war, verließen wir unter Motor um 09.30 Uhr die sehr schöne Bucht, um unser Tagesziel „Insel Cabrera“ anzusteuern. Eigentlich eine lange gerade Linie an der Ostküste Mallorcas entlang bis zum Leuchtturm der Insel Cabrera.

Cabrera
Insel Cabrera
Cabrera
Ansteuerung Cabrera

Zwar hatten wir ausgangs der Bucht die Segel gesetzt, aber mit der Riesen-Geschwindigkeit von 1,2 kn p.Std. wäre es eine lange Passage geworden. Wir rollten daher die Fock wieder ein und mit stehendem Groß ließen wir den Motor laufen bis zum Cap Punta Salinas, der SO-Spitze der Ostküste.

Von dort ab konnten wir wieder mit leichtem raumen Wind segeln an den der Insel Cabrera vorgelagerten kleinen Inseln vorbei bis zur Ansteuerung der Bucht. Unter Motor ging es dann in die malerische Bucht.

Die Insel Cabrera ist seit 1991 ein Natur-schutzgebiet, das nur mit Genehmigung be-treten werden darf. Freies Ankern ist in dem gesamten Archipel bis auf eine Stelle nicht erlaubt. Vor der Fahrt nach Cabrera muss eine Genehmigung eingeholt werden, die der Ver-charterer besorgt hatte. Dort ist neben dem Datum auch eine bestimmte Ankerboje ein-getragen, an der man festmachen muss. Wir hatten auf Grund unserer Schiffslänge die weiße Boje Nr. B-10 zugeteilt bekommen. 50 Bojen sind ausgelegt und nur diese Anzahl von Schiffen darf die Insel zum Übernachten anlaufen, im Juli und August nur 1 Nacht, 2 Nächte im Juni und September und in der übrigen Zeit bis zu 7 Nächte.

Die Insel Cabrera hat eine maximale Nord-Süd-Ausdehnung von 5,53 km und eine Ost-West-Aus-dehnung von 5,29 km. Die Länge der Küstenlinie beträgt 38 km. Das gesamte Archipel besteht aus 18 Inseln und Inselchen. Die Inseln sind praktisch unbewohnt, abgesehen von der Garnison und einigen wenigen zivilen Bewohnern. Insgesamt 20 Personen bewohnen die Insel. Vor ca. 15.000 Jahren wurde Cabrera von Mallorca abgetrennt. Die höchste Erhebung ist der Na Picamosques mit 172 m.

Die Insel hat eine schaurige Geschichte, schon die Phönizier und Karthager kannten und nutzten die Insel. Die Burg wurde im 14. Jahrhundert zum Schutz vor Piratenüberfälle gebaut. Während des Spanischen Unabhängigkeitskrieges von 1807 bis 1814 wurde auf der Insel ein Internierungslager für einen Teil der französischen Gefangenen eingerichtet, die nach der Schlacht von Ballén im Jahre 1808 in spanische Hände gefallen waren. Von den isgesamt 18.000 Gefangenen wurden rund 12.000 auf die Insel gebracht. Ohne ausreichend Wasser, Nahrungsmittel und medizinische Versorgung starben dort zwischen 3.500 und 5.000 Gefangene.

Cabrera
Cabrera gemalt

Nach dem Festmachen und dem Anlegerschluck wurde erst Kaffee getrunken und der Rest von Süffi's Rotweinkuchen gegessen, bevor es ins Wasser ging.

Die Bucht hat einen großen Fischreichtum. Lothar ließ sich daher Toastbrot reichen, um im Wasser die zutraulichen Fische zu füttern. Aber sie hatten doch wenig Vertrauen zu Lothar. Da das Brot sich durch das Wasser selbst auflöste, kochte anschließend das Wasser durch die sich um das Futter schlagenden Fische.

Bis Lothar plötzlich un-erklärlich zappelte und unter Darbietung höchst origi-neller Töne auf der Bade-leiter nach oben kletterte. Ein nicht besonders großer brauner Fisch, der durch seine durchgehende Rücken-flosse schon bedrohlich aussah, war ganz uner-schrocken und knabberte an Lothars Beinen, schon ziemlich aggressiv. Edi schwamm derweil noch etwas entfernter im Wasser. Als er zur Badeleiter zurückkehrte, war dieser Fisch noch da und biss tatsächlich Edi in den Zeh, so dass er blutete. So flux war Edi diese Woche noch nie die Leiter hochgeklettert. Dieser Fisch, ein unangenehmer Zeitgenosse, schwamm noch einige Zeit in der Nähe der Leiter, biss sogar einmal dort hinein. Schmeckte ihm aber nicht. Nach einiger Zeit entfernte er sich endlich und ward' nicht mehr gesehen. Attacken hatten wir daher nicht mehr zu befürchten.

Insel Cabrera
Ausblick auf die Insel Cabrera

Freitag, 12.07.2013

Auch am letzten Tag blieben wir unserem Ritual treu und zum letzten Mal für dieses Jahr erscholl um 7.20 Uhr des Skippers „Reise, Reise“.

Schwimmen -ohne braune Fische- und Frühstück wurden heute besonders genossen. Was es doch unser letzter Segeltag und bis 17.00 Uhr hatten wir das Schiff zurück zu geben. Die Sonne brannte schon ganz schön, Wind war in der Bucht nur zu erahnen. Aber dafür entschädigte uns das Pano- ama der weitläufigen Bucht mit der schmalen Ausfahrt und der trotzigen Burgruine .

Um 9.30 Uhr wurde die Verbindung zur Boje gelöst und in der Buchtausfahrt die Segel probe- weise gesetzt. Mit 2-3 kn Geschwindigkeit rasten wir über Grund, bei einer Entfernung von nicht ganz 30 sm war schnell ausgerechnet, dass der Rückgabe-Termin so nicht einzuhalten war.

Cabrera
Ausafhrt von Cabrera

Folglich rollten wir das Vorsegel nach 1 Stunde wieder ein und betätigten den Anlasser. Bei der Geschwindigkeit von rd. 6,5 kn waren wir somit vor der Zeit in der Nähe unseres Hafens und nutzten die Gelegenheit, vor dem Strand von Ca'n Pastilla noch einmal den Anker auszuwerfen und ein letztes Bad zu nehmen, auch wenn die Kabbelwelle unangenehm war. Aber das Bad tat gut in der Hitze, die wir so die ganze Woche über nicht empfunden hatten.

Letztes mal Baden
Letztes Baden

Vor dem Anlegen musste das Schiff noch aufgetankt werden. Dieses war mit einem halbstündigen Kreisen vor der Hafeneinfahrt verbunden, weil vor uns noch 3 Schiffe dran waren. Aber auch wir kamen irgendwann an die Reihe und wunderten uns über den geringen Verbrauch. Nur 40 ltr. Diesel gingen in den Tank, dann war er voll. Uns sollte es recht sein. Reinhard verständigte in der Zeit schon einmal die Basis und erwartete uns dann am Liegeplatz, an dem rückwärts eingeparkt wurde. Um 16.30 Uhr stoppten wir zum letzten Mal die Maschine.

Nach dem Anleger erfolgte sofort die Schiffsübergabe. Da außer 2 Wassergläser alles andere ohne Schaden überstanden hatte, ging die Übergabe reibungslos und zur vollen Zufriedenheit der Basis über die Bühne. Auch der Taucher fand keine zu beanstandenden Punkte. Somit wurde die Kaution in voller Höhe direkt zurückgegeben.

Nun kam der unangenehme Teil des Segeltörns. Segeltasche packen, die restlichen Lebensmittel aufteilen oder der Basis geben, Beiseite legen, was am nächsten Morgen noch benötigt wird. Bei jedem Handgriff wirst du daran erinnert, dass die Segelei vorbei ist. Bei der Hitze kommst du mehr ins schwitzen als in der ganzen Woche. Aber das musste sein, war auch schnell erledigt und nach einer Dusche sah die Welt wieder besser aus.

Samstag, 13.07.2013

Des Skippers „Reise, Reise“ musste heute nicht ertönen. Schon frühzeitig waren alle hellwach und krochen um 7.00 Uhr aus den Kojen. Bis um 8.00 Uhr mussten wir das Schiff räumen, da blieb nicht viel Zeit zum Duschen, die direkt in unserer Nähe waren, aber in einem geschlossenen Raum, waren wir garnicht mehr gewohnt.

Die restlichen Sachen waren schnell gepackt und das Gepäck von Bord gebracht. Die Lebensmittel wurden entweder auf uns verteilt oder blieben im Schiff. Die Schiffsreinigung war nicht unsere Sache, das machte die Crew des Vercharterers. Gleichwohl hatten wir dafür gesorgt, dass alles ordentlich war.

Nachdem alles von Bord war und wir unser Gepäck in der Obhut des Vercharterers zurück ließen, bestellten wir ein Taxi und begaben uns zum Hafenausgang. Nach kurzer Zeit fuhr unser Taxi vor und wir ließen uns nach Palma fahren, nur ein kurzer Weg . Direkt an der Kathedrale vor dem Beginn der Altstadt entließ uns das Taxi und wir fielen in das nur einige Meter entfernte „Capuccino“, einer Kaffee-Kette mit Frühstücksmöglichkeit, ein.

Für die Besichtigung der Kathedrale war es noch zu früh und so schlenderten wir durch die Gassen der Altstadt und durch die Fußgänger-zone bis zum Place de Major, wo die Händler gerade ihre Stände aufbauten. Bei einem Espresso oder Eis sahen wie diesen eine Weile zu, um dann weiter zu schlendern.

Für den Rückweg wählten wir einen anderen Weg aus, unserer Meinung nach ziemlich parallel zum Hinweg und kamen dabei am Theater der Stadt Palma vorbei. Bereits im Taxi hatten wir in den deutschsprachigen Nachrichten gehört, dass die Kultur-Mittel stark gekürzt werden sollten. Aus Protest veranstalteten daher das Theater und die Philharmonie ein kostenloses Konzert im Freien unter schattigen Bäumen, nicht weit von Theater und Kathe- drale entfernt. Schon von weitem waren sie zu hören. Es erklang gerade das „Halleluja“ von Händel, als wir dazu kamen und zusammen mit vielen anderen den Klängen lauschten. Ein großes Symphonieorchester mit großem Chor. Im Anschluß daran ein konzertantes Stück, der Schwere nach von einem russischen Komponisten. Im Weggehen, wir wollten noch die Kathedrale be-sichtigen, dann der Schlußchor der „Neunten Symphonie“ von Beethoven. „Freude schöner Götterfunken“, dem konnten wir nur zustimmen.

Kathedrale
Palma Kathadrale

Dann zog uns die Kathedrale in ihren Bann. Die Schatzkammer zeigte den Reichtum der Kirche, alles in purem Gold, überschwenglich verziert und ausgearbeitet, kostbare Gewänder, sehr viele sakrale Gegen-stände aus früheren Jahrhunderten, die den Zeitgeschmack der „oberen Gesellschaft“ wiederspiegelte. Die Kathedrale selbst ein hoher offen gestalteter gotischer Bau. Das Haupt-schiff weist eine Höhe von 43 m aus, die seitlichen Säulen streben 20 m in die Höhe und strahlt eine immense Würde aus.

Kirche
Palmas Kirche
Abschluss
Abschluss

Zurück im Leben bestiegen wir ein Taxi und ließen uns zum Hafen zurück bringen. Zu einem Bier in einer der zahlreichen Straßenkneipen vor dem Hafen reichte die Zeit immer noch.

Das tat gut! Danach zurück zum Charterbüro, um uns zu verabschieden. Ein Taxi wurde bestellt, unser Gepäck wurde zum Ausgang gefahren und das Taxi brachte uns in 10 Minuten zurück zum Flughafen.

Zusammenfassung

 

Tag Abgangsort Zielort Segel Motor Gesamt sm sm sm Samstag Ca'n Pastilla Ensanada de Santa Ponsa 24,6 9,1 33,7

Sonntag Ensanada de Santa Ponsa Sa Calobra 19,8 32,4 52,2

Montag Sa Calobra Ile de Formentor 22,3 11,8 34,1

Dienstag Ile de Formentor Cala di Canyamel 14,6 10,6 25,2

Mittwoch Cala di Canyamel Cala di Mondrago 19,7 4,7 24,4

Donnerstag Cala di Mondrago Cabrera 9,0 10,2 19,2

Freitag Cabrera Ca'n Pastilla 4,5 23,9 28,4

 

Gesamt: 114,5 sm 102,7 sm 217,2 sm

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